Computer Use, ehrlich bilanziert
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Computer Use in Copilot Studio ist seit dem 13. Mai 2026 generally available. Agents bedienen damit Web- und Desktop-Anwendungen über die Oberfläche, per Sehen und Schlussfolgern, auch wenn es keine API gibt. Ausgerollt in alle kommerziellen Power-Platform-Regionen, ausgenommen die souveränen Clouds.
Das ist die Meldung. Jetzt der Teil, der in den Ankündigungen nicht steht.
Die Ausschlussliste
Nicht unterstützt werden Electron, Java, Unity, Citrix und virtualisierte Umgebungen. Die Eingabe von Passwörtern funktioniert auf Websites und in Windows-Anwendungsframeworks, also WinForms, WPF, UWP, WinUI und Win32, aber nicht in Electron, Java, Unity, Spielen, Citrix oder anderen virtualisierten Umgebungen.
Lies die Liste noch einmal, und zwar mit deiner Anwendungslandschaft im Kopf.
Java-Thick-Clients sind in Banken und im Gesundheitswesen keine Randerscheinung, sondern oft genau die Systeme, deren fehlende API der Anlass für Computer Use war. Citrix ist in vielen Häusern nicht eine Anwendung, sondern der Weg, auf dem alle Anwendungen laufen. Und Electron trifft mehr Werkzeuge, als den meisten bewusst ist.
Damit kehrt sich die Logik um: Computer Use ist am schwächsten genau dort, wo man es am dringendsten bräuchte. Die Systeme mit sauberer, moderner Oberfläche haben meist auch eine API. Die ohne API sind oft die, die auf der Ausschlussliste stehen.
Was du vorher machst
Eine Bestandsaufnahme der Anwendungsoberflächen, bevor du Computer Use als primären Automatisierungsweg einplanst. Nicht danach. Pro Zielsystem drei Angaben: Auf welchem Framework läuft es? Wird es lokal oder virtualisiert bereitgestellt? Braucht der Ablauf eine Anmeldung mit Passworteingabe?
Wenn eine dieser Antworten in die Ausschlussliste fällt, ist das Thema an dieser Stelle beendet und du sparst dir einen Piloten, der drei Wochen dauert und dann an einem Dialogfenster hängt.
Was zur GA dazugekommen ist
Gegenüber der Preview vom September 2025 sind vier Dinge neu, die für den Betrieb zählen: Modellauswahl, hinterlegte Zugangsdaten über Key Vault, Purview-Auditierung mit Sitzungsaufzeichnung und Cloud-PC-Pools für Skalierung. Dazu stehen eigenständige Computer-Use-Tools in der Preview, mit denen sich UI-Automatisierung modular und wiederverwendbar in Agents und Agent Flows einbinden lässt.
Die Purview-Auditierung ist der Punkt, den ich zuerst einschalte. Ein Agent, der eine Oberfläche im Namen eines Nutzers bedient, erzeugt Handlungen, die im Zweifel jemandem zugerechnet werden. Ohne Sitzungsaufzeichnung ist die Frage "was genau hat das Ding da getan" nicht beantwortbar.
Meine Haltung
Computer Use ist ein Werkzeug für den Notfall, nicht die Standardantwort. Eine Automatisierung über die Oberfläche bricht bei jedem Redesign, sie ist langsam, sie kostet pro Schritt, und sie erzeugt Nachweisfragen, die eine API nicht erzeugt.
Die Reihenfolge, in der ich Optionen prüfe, ist unverändert: erst API, dann Connector, dann MCP, dann Computer Use. Wer diese Reihenfolge umdreht, weil die Demo so beeindruckend war, baut sich eine Automatisierung, die beim nächsten Update des Zielsystems umfällt.
Und wenn Computer Use die richtige Antwort ist, dann für einen abgegrenzten Vorgang mit klarer Abbruchbedingung, nicht für einen Prozess, der über acht Bildschirme läuft.
Quellen
- Automate web and desktop apps with computer use, Microsoft Learn
- What's new in Copilot Studio, Microsoft Learn, zur GA im Mai 2026 und zu den eigenständigen Computer-Use-Tools
- Copilot Studio Computer-Use Agents: GA Deep Dive, 22. Mai 2026, Sekundärquelle mit der Aufschlüsselung der nicht unterstützten Frameworks