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Work IQ, die Schicht darunter

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Work IQ in Microsoft Copilot StudioMicrosoft Learn

Der häufigste Grund, warum ein Agent im Test überzeugt und im Alltag enttäuscht, ist nicht das Modell. Es ist fehlender Kontext.

Im Test fragt jemand: "Wie ist der Urlaubsantragsprozess?" Im Alltag fragt jemand: "Kann ich den Termin am Donnerstag noch verschieben, wenn Kerstin dann im Urlaub ist?" Die zweite Frage braucht Kalender, Abwesenheiten, Zuständigkeiten und die Historie eines Vorgangs. Genau das ist die Lücke, die Work IQ schließen soll.

Was Work IQ ist

Work IQ ist die Intelligenzschicht, die Microsoft 365 Copilot und deine Agents in geteiltem Echtzeitkontext erdet. Sie verbindet Signale über das Microsoft-365-Ökosystem und Geschäftssysteme hinweg und ermöglicht personalisierte Suche, tiefere semantische Einordnung und daran anschließend Empfehlungen und Aktionen.

Praktisch heißt das: Ein Agent bekommt Zugriff auf E-Mails, Kalendereinträge, Dateien, Teams-Nachrichten und Personeninformationen, ohne dass du dafür eine eigene Anbindung baust.

Wer schon länger dabei ist, hört hier den Microsoft Graph mit. Der Unterschied ist die Ebene. Der Graph liefert Objekte, du baust die Bedeutung. Work IQ liefert die Bedeutung mit: wer mit wem woran arbeitet, was zusammengehört, was gerade relevant ist.

Work IQ ist Teil einer größeren Familie. Unter dem Dach Microsoft IQ stehen daneben Web IQ für Live-Web-Grounding, Fabric IQ für Daten und Semantikmodelle und Foundry IQ als Wissensschicht hinter Foundry-Agents.

Warum das die Collaboration-Frage neu stellt

Ich arbeite seit über fünfzehn Jahren an Zusammenarbeit in Unternehmen, und die stille Konstante war immer dieselbe: Der Kontext liegt vor, aber verteilt. Ein Vorgang lebt in einer Mail, einer Teams-Unterhaltung, zwei Dateien und einem Kalendereintrag, und die Verbindung dazwischen existiert nur im Kopf einer Person.

Jede Generation von Werkzeugen hat versucht, das zu heilen. Portale sollten alles bündeln. Suche sollte alles finden. Teams sollte alles an einen Ort holen. Jedes Mal blieb die Verknüpfungsarbeit beim Menschen.

Work IQ ist der erste ernsthafte Versuch, diese Verknüpfung maschinell herzustellen und als Dienst anzubieten. Ob das trägt, weiß ich noch nicht. Dass es die richtige Stelle ist, an der man ansetzt, halte ich für offensichtlich.

Es gibt eine Kehrseite, die zu meiner Rolle als DIE ARCHIVARIN gehört: Eine Schicht, die querliest, was in einer Organisation an Kommunikation vorliegt, ist die mächtigste Datenschicht, die je jemand im Tenant hatte. Berechtigungen werden durchgereicht, das ist die Zusage. Trotzdem gilt: Was ein Mensch nie gefunden hätte, weil es in einem drei Jahre alten Kanal lag, findet ein Agent in Sekunden. Das ist kein Berechtigungsproblem, das ist ein Erwartungsproblem, und ihr solltet es besprechen, bevor jemand es bemerkt.

Wo Work IQ dranhängt

In Copilot Studio hängt Work IQ am GitHub Copilot harness und wird über Copilot Credits verbrauchsbasiert abgerechnet. Über Microsoft IQ verbindest du einen Agent im neuen Erlebnis mit Organisationsdaten.

In Foundry erreichst du Work IQ über Toolboxes, den gemanagten Endpunkt für alle Werkzeugtypen. Foundry IQ ist als eigenständige Wissensschicht GA und vereint Work IQ, Fabric IQ, Azure SQL, File Search und MCP-Quellen hinter einem Retrieval-Endpunkt mit SLA.

Dazu kommt ein Nachbar, der in der Praxis oft im selben Atemzug genannt wird: der Windows 365 for Agents MCP Server ist GA und gibt Agents volle Kontrolle über einen Windows-365-Cloud-PC, inklusive Desktop-Interaktion, Browser-Automatisierung und semantischer UI-Inspektion.

Der Widerspruch, den ich nicht auflösen kann

Hier wird es unübersichtlich, und ich schreibe das lieber hin, als es glattzubügeln.

Die Ankündigungen zu Build 2026 führen Work IQ als GA. Die Copilot-Studio-Dokumentation auf Microsoft Learn führt Work IQ in Copilot Studio als Preview. Der Foundry-Blog führt Work IQ in Toolboxes ebenfalls als Preview, während Foundry IQ dort GA ist.

Beides kann gleichzeitig stimmen, wenn der Dienst GA ist und einzelne Integrationswege es nicht sind. Genau das ist vermutlich der Fall. Für dich heißt es: Der Reifegrad hängt an der Oberfläche, über die du zugreifst, nicht am Namen. Prüf den Stand für deinen konkreten Weg, bevor du eine Zusage machst, und schreib das Datum der Prüfung dazu.

Die Frage, die du vor dem Rollout klären musst

Work IQ hängt in Copilot Studio am GitHub Copilot harness, und der rechnet verbrauchsbasiert über Copilot Credits ab. Damit ist Kontext ein Posten pro Anfrage und kein einmaliger Aufwand.

Was ich nicht sicher sagen kann, ist, wie viel davon in der Microsoft-365-Copilot-Lizenz enthalten bleibt und wie viel gesondert abgerechnet wird. Die Lizenzunterlagen zu Copilot Studio bewegen sich derzeit schneller als die Produktdokumentation, und beide sind nicht immer deckungsgleich.

Das ist keine akademische Frage. Work IQ ist genau der Grund, aus dem ein Agent brauchbar wird. Ein Modell ohne Organisationskontext beantwortet allgemeine Fragen. Eines mit Kontext beantwortet die Fragen, die tatsächlich gestellt werden. Wenn diese Fähigkeit pro Aufruf abgerechnet wird und nicht in der Seat-Lizenz steckt, verändert das die Rechnung für jeden breit ausgerollten Agent erheblich.

Nimm den aktuellen Licensing Guide zur Hand, bevor du eine Architektur darauf baust, und rechne es durch, bevor du es breit ausrollst.

Was ich empfehlen würde

  1. Klein anfangen. Ein Agent, eine Abteilung, eine klar umrissene Aufgabe. Work IQ macht Antworten spezifischer, und spezifische Antworten sind auch spezifischer falsch.
  2. Vorher messen, wie es ohne läuft. Sonst kannst du hinterher nicht sagen, ob der Kontext etwas gebracht hat oder das neue Modell.
  3. Betriebsrat und Datenschutz früh einbeziehen. Nicht als Formalie. Eine Schicht, die Kommunikationsmuster auswertet, berührt Fragen, die man nicht nachträglich klärt.
  4. Kosten pro Aufruf im Blick behalten. Kontext ist ein Kostenposten pro Anfrage, kein einmaliger Aufwand.
  5. Den Reifegrad des konkreten Wegs dokumentieren. Mit Datum. Bei einem Feature, das je nach Oberfläche GA oder Preview ist, ist das kein Übereifer.

Quellen

Copilot Studio · Governance & Compliance