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Der Seat bleibt, der Zähler kommt dazu

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Eine Stahlschiene an einer Wand mit leeren Auftragskarten an Haken, an jeder Karte hängt ein Bleigewicht, die Gewichte sind unterschiedlich schwer und ziehen eine Karte deutlich nach unten.KI-generiert
Copilot Cowork is now generally availableMicrosoft 365 Blog

Ein Cent. So viel kostet ein Copilot Credit bei Pay-as-you-go, und damit hat Microsoft 365 seit dem 16. Juni 2026 etwas, das es dort vorher nicht gab: eine Funktion, die nicht pro Nutzer abgerechnet wird, sondern pro Aufgabe. Copilot Cowork ist weltweit generally available, setzt die Microsoft 365 Copilot User Subscription License voraus und rechnet darüber hinaus nach Verbrauch ab.

Was der Preis einer Aufgabe enthält

Der Preis für eine Aufgabe ergibt sich aus vier Größen: Modellnutzung, Kontextabruf, Tool-Aufrufe und Laufzeit. Das ist eine ehrliche Aufzählung, weil sie genau die Stellen nennt, an denen ein agentischer Lauf teuer wird, und nicht nur die Token.

Aus dem Frontier-Betrieb hat Microsoft drei Aufgabenmuster abgeleitet. Leichte Aufgaben nutzen wenige Wissensquellen, wenig Reasoning und erzeugen höchstens ein Ergebnis. Mittlere ziehen mehrere Quellen heran, strukturieren die Argumentation und liefern zwei oder mehr Ergebnisse. Schwere aggregieren breit, denken tief und produzieren viele Ergebnisse. Dazu kommen vier Nutzerprofile mit unterschiedlichen Mischungen.

Für die Kalkulation stellt Microsoft eine Tabelle bereit, in der du Nutzerzahl je Segment mal erwartetem Aufgabenvolumen mal Preis je Aufgabentyp rechnest. Die Annahme dahinter ist Anthropic Opus 4.8.

Zwei Zahlungswege gibt es: Pay-as-you-go zu einem Cent je Credit oder P3, eine Vorabverpflichtung auf ein Volumen gegen Rabatt.

Das Seat-Modell hat einen Riss bekommen

In der Depesche zum AI-Gateway war die Trennlinie klar: Was über API-Keys läuft, bekommst du unter Kontrolle, was über Seats abgerechnet wird, bleibt außen vor. Cowork verschiebt diese Linie.

Der Seat ist weiterhin die Eintrittskarte, die USL bleibt Voraussetzung. Aber hinter der Eintrittskarte steht jetzt ein Zähler, und der läuft in derselben Währung, die du schon aus Copilot Studio kennst. Damit wandert die Frage "Was kostet uns ein Vorgang" aus der Plattformwelt in die Arbeitsplatzwelt, in der bisher niemand FinOps gemacht hat.

Das ist keine Kritik, sondern eine Zuständigkeitsfrage. Wer in eurem Haus setzt das Budget für die Assistenzarbeit einer Abteilung?

Die Kostensteuerung ist besser, als ich erwartet hatte

Cowork ist standardmäßig aus. Admins entscheiden, wann es im Tenant aktiviert wird und wer Zugang bekommt.

Darüber hinaus gibt es Ausgabengrenzen auf drei Ebenen, nämlich Tenant, Gruppe und einzelner Nutzer, über zugeschnittene Billing Policies mit Budgets, inklusive Obergrenzen pro Nutzer innerhalb einer Gruppenrichtlinie. Die Schwellen für Warnungen sind konfigurierbar, ebenso, wer benachrichtigt wird. Braucht jemand mehr Credits, um eine Aufgabe abzuschließen, kann er sie direkt aus Cowork heraus anfordern.

Auf der Auswertungsseite gibt es Nutzungsberichte auf denselben drei Ebenen, aufgeschlüsselt nach Nutzer, Gruppe und Funktion. Und der wichtigste Punkt für die Akzeptanz: Nutzer sehen den Preis jeder Aufgabe in Credits, während sie läuft.

Vergleich das einmal mit dem, was bei Copilot Studio verfügbar ist, wo Limits pro Agent existieren, sich aber nicht zu einem Umgebungslimit summieren und die Benachrichtigung an Administratoren geht statt an den Owner. Hier ist deutlich mehr Werkzeug in der Hand derer, die zahlen.

Zwei Dinge, die du vor dem Einschalten wissen musst

Data Loss Prevention fehlt zum GA-Zeitpunkt. Vorhanden sind Audit-Log, Data Security Posture Management, eDiscovery, Insider Risk Management, Data Lifecycle Management seit dem 22. Juni und Communication Compliance. Prompts, Antworten und erzeugte Artefakte laufen durch die bestehenden Microsoft-365-Kontrollen, Sensitivity Labels werden durchgereicht und angezeigt. DLP ist angekündigt und war zum GA nicht da. Wenn DLP bei euch die tragende Kontrolle für einen Datenraum ist, ist das dein Ausschlusskriterium für genau diesen Datenraum, nicht für Cowork insgesamt.

Cowork läuft zum GA auf Anthropic-Modellen, konkret Opus 4.8 und Sonnet 4.6, in Frontier zusätzlich GPT 5.5. Damit hängt Cowork am Schalter für Anthropic als Microsoft-Subprozessor, und für Tenants in der EU, EFTA und dem Vereinigten Königreich bedeutet dessen Aktivierung, dass die Verarbeitung außerhalb der EU Data Boundary stattfindet. Das ist derselbe Schalter, den ich in der Depesche zur EU-Datenzone beschrieben habe, nur diesmal mit einer Funktion daran, die deine Beschäftigten wirklich benutzen wollen.

Für eine europäische Organisation ist das die eigentliche Entscheidung. Nicht ob Cowork gut ist, sondern ob dieser Schalter an sein darf.

Was ich nicht beurteilen kann

Microsoft nennt einen Kostenvorteil von durchschnittlich 30 bis 40 Prozent gegenüber Claude Cowork mit dessen Microsoft-365-Connector. Die Fußnote legt die Methode offen: 125 Testläufe über zwölf Prompts, beide auf Opus 4.8, eigene Logs gegen öffentliche API-Preise. Das ist ein Herstellervergleich mit sauber dokumentierter Methode, und es bleibt ein Herstellervergleich. Für deine Zahlen zählt dein Aufgabenmix.

Offen ist außerdem das angekündigte Modell Cowork 1, das günstiger arbeiten soll. Zum GA war es nicht verfügbar. Eine Kalkulation, die darauf baut, ist eine Wette.

Meine Empfehlung

Schalte nicht Cowork ein, sondern eine Billing Policy. In dieser Reihenfolge. Eine Pilotgruppe mit Budget, Warnschwelle und benanntem Empfänger der Warnung ist in zwanzig Minuten eingerichtet und macht aus einem offenen Zähler ein Experiment mit Deckel.

Danach zwei Wochen messen, bevor du kalkulierst. Die Tabelle von Microsoft ist ein brauchbarer Startpunkt, aber sie kennt euren Aufgabenmix nicht. Nach zwei Wochen kennst du ihn.

Und kläre die Subprozessor-Frage schriftlich, bevor die Pilotgruppe anfängt. Nicht danach, wenn der Betriebsrat fragt.

Ich halte Cowork für die ehrlichste Preisgestaltung, die Microsoft im Copilot-Umfeld bisher gebaut hat. Wer viel automatisiert, zahlt viel, wer wenig automatisiert, zahlt wenig, und der Nutzer sieht den Preis, während er entsteht. Mein Vorbehalt gilt der Organisation dahinter: Ein variabler Posten braucht einen Verantwortlichen mit Budget, und in den meisten Häusern gibt es diese Rolle für Arbeitsplatzsoftware nicht. Klär sie, bevor die erste Rechnung kommt, nicht danach.


Quellen

Microsoft 365