Gebaut ist nicht verteilt
KI-generiertDer Satz, den ich in Workshops am häufigsten höre, kommt nach der Demo: "Und wie kriegen wir den jetzt zu den Leuten?" Das Bauen eines Agenten dauert in Copilot Studio inzwischen einen Nachmittag. Die Verteilung dauert länger, weil sie kein Feature ist, sondern eine Kette aus Rollen, Kanälen, Lizenzen und einer Freigabe im Admin Center. Diese Depesche ist die Landkarte dieser Kette. Ich halte sie aktuell, statt sie zu archivieren.
Fünf Wege, einen Agenten zu übergeben
Weg
Was der Empfänger kann
Wer richtet es ein
Was der Empfänger braucht
Co-Authoring
öffnen, bearbeiten, testen
Maker über Teilen
Environment Maker Rolle in Dataverse, wird beim Teilen mitvergeben
Chat-Freigabe
mit dem Agenten sprechen, nicht bearbeiten
Maker über Teilen an eine Sicherheitsgruppe oder die ganze Organisation
Mitgliedschaft in der Gruppe
Kanal-Veröffentlichung
Agent taucht in Teams und im Microsoft 365 Copilot auf
Maker über Kanäle, dann Installationslink oder Teams App Store
nichts Zusätzliches im klassischen Weg
Agent Store, "Built by your org"
Agent ist für alle auffindbar
Maker reicht ein, Admin prüft und gibt frei
nichts Zusätzliches
Run-only Sharing
autonome Agenten nutzen, ohne Maker-Zugriff
Maker, sobald verfügbar
offen, siehe unten
Die erste Zeile ist die, bei der die meisten hängenbleiben. Co-Authoring ist keine einfache Freigabe: Die zweite Person braucht die Environment-Maker-Rolle in Dataverse, und wenn sie die noch nicht hat, muss die teilende Person sie vergeben dürfen. Dafür braucht sie das Privileg prvAssignRole, das in der System-Administrator-Rolle steckt. Wer schon einmal erlebt hat, dass ein Teilen-Dialog kommentarlos nichts bewirkt, hat genau das getroffen.
Die Asymmetrie, die niemand erwartet
Für die Bearbeitung teilst du mit einzelnen Personen. Für das Chatten teilst du mit einer Sicherheitsgruppe oder mit der ganzen Organisation, aber nicht mit einzelnen Personen und nicht mit Microsoft-365-Gruppen. Einzelzugriff steuerst du also über die Gruppenmitgliedschaft.
Das ist keine Schikane, sondern konsequent: Bearbeitung ist eine Rollenzuweisung in Dataverse, Nutzung ist eine Berechtigung am veröffentlichten Objekt. Für dein Betriebskonzept heißt es trotzdem, dass du für jeden Agenten eine Sicherheitsgruppe brauchst, bevor du ihn produktiv gibst. Leg sie an, bevor du den Agenten baust, nicht danach.
Wo der Admin sitzt
Drei Stellen, an denen die Verteilung gebremst oder erlaubt wird.
Data policies entscheiden, in welche Kanäle überhaupt veröffentlicht werden darf. Der Hebel sind Connectoren: Wer den Direct-Line-Connector blockiert, verhindert Demo-Website, eigene Website und mobile App in einem Zug. Wer den Skills-Connector blockiert, verhindert Agenten, die Skills nutzen.
Die Agents-Seite im Microsoft 365 Admin Center führt eine Agent Registry über alle geteilten Agenten, mit Name, Ersteller, Erstelldatum, Host-Produkten und Verfügbarkeit, samt der Möglichkeit, einen Agenten zu blockieren. Die Funktion ist in allen Copilot-lizenzierten Tenants standardmäßig aktiv. Du hast diese Liste also bereits, unabhängig davon, ob jemand hineinsieht.
Die Einreichung ist der neue Teil. Agenten aus dem Agent Builder werden nach Prüfung und Freigabe im Microsoft 365 Admin Center im Agent Store unter "Built by your org" veröffentlicht. Für Copilot-Studio-Agenten läuft die Prüfung im Teams Admin Center oder im Microsoft 365 Admin Center. Damit gibt es zum ersten Mal einen sauberen Weg von "jemand hat etwas Nützliches gebaut" zu "die Organisation kann es finden".
Zwei Dinge, die im Betrieb wehtun
Veröffentlichen ist nicht sofort. Nach einem Update kann es bis zu einer Stunde dauern, bis Nutzer die neue Fassung bekommen. In Kanälen mit dauerhaften Konversationen wie Teams setzt der Befehl "start over" die Sitzung zurück und holt sofort die aktuelle Version. Sag das deinen Testern, sonst testen sie eine Stunde lang die alte Version und melden Fehler, die es nicht mehr gibt.
Und die Veröffentlichung selbst kann blockiert sein. In Umgebungen, in denen ein Admin die Bereitstellung von Agent-Identitäten deaktiviert hat, lässt sich ein Autopilot nicht veröffentlichen, während bereits bereitgestellte Agenten weiterlaufen. Ein Agent, der gestern noch publiziert werden konnte, kann heute daran scheitern, ohne dass sich am Agenten etwas geändert hat.
Wo die Quellen auseinandergehen
Zur Lizenz der Nutzer sagt Microsoft zwei verschiedene Dinge, und beide stimmen.
Die klassische Lizenzseite sagt, Nutzer deiner Agenten brauchen keine besondere Lizenz: Wer den veröffentlichten Agenten erreicht, kann mit ihm sprechen. Die Seite zum Teilen in der neuen Agenten-Erfahrung auf Basis des GitHub-Copilot-Harness setzt dagegen voraus, dass die Personen, mit denen du teilst, eine Microsoft-Copilot-Studio-Lizenz pro Nutzer haben, und verweist sonst auf eine Testversion.
Meine Lesart: Das sind zwei Autorenerfahrungen mit zwei Verteilmodellen, nicht ein Widerspruch in einem Modell. Für dich heißt das, dass die Antwort auf "brauchen unsere Nutzer eine Lizenz" davon abhängt, in welcher Oberfläche der Agent gebaut wurde. Frag das ab, bevor du kalkulierst.
Run-only Sharing
Der Weg, der die Kette schließen würde: autonome, ereignisgesteuerte Agenten an viele Beschäftigte geben, ohne ihnen Maker-Zugriff zu geben. Nach dem Roadmap-Stand liegt die Preview im August 2026 und die allgemeine Verfügbarkeit im Januar 2027. Diese Angabe stammt aus einer Sekundärquelle mit Roadmap-Bezug, ich konnte sie nicht auf Microsoft Learn bestätigen. Behandle sie als Planungsgröße und nicht als Zusage.
Falls es so kommt, verschwindet der unangenehmste Kompromiss der letzten zwei Jahre, nämlich Maker-Rechte zu verteilen, damit Leute etwas benutzen dürfen.
Meine Empfehlung
Entscheide den Verteilweg, bevor du den ersten Topic anlegst. Er bestimmt, ob du eine Sicherheitsgruppe brauchst, ob eine Freigabe im Admin Center dazwischenliegt und ob deine Nutzer eine Lizenz brauchen. Nachträglich umzustellen heißt in der Praxis, den Agenten in eine andere Umgebung zu heben.
Für die Übergabe an den Betrieb reichen vier Zeilen pro Agent: Verteilweg, Sicherheitsgruppe, freigebende Person im Admin Center, Ansprechpartner beim Kunden im Fachbereich. Wenn eine dieser Zeilen leer ist, ist der Agent ein Prototyp, egal wie gut er läuft.
Und schau einmal in die Agent Registry im Microsoft 365 Admin Center, bevor du das nächste Governance-Konzept schreibst. Die Liste ist schon da. Die Frage ist nur, ob dir gefällt, was drinsteht.
Quellen
- Share agents with other users, Microsoft Learn, Stand 08/2026
- Share agents with other users and makers (Copilot Studio, GitHub Copilot), Microsoft Learn, Stand 08/2026
- Assign user licenses and manage access, Microsoft Learn, Stand 08/2026
- Key concepts, Publish and deploy your agent, Microsoft Learn, Stand 08/2026
- Connect and configure an agent for Teams and Microsoft 365 Copilot, Microsoft Learn, Stand 08/2026
- Configure data policies for agents, Microsoft Learn, Stand 15.05.2026
- Manage agents in the Microsoft 365 admin center, Microsoft Learn, Stand 08/2026
- Release Notes for Microsoft 365 Copilot, Microsoft Learn, Stand 11.08.2026
- Microsoft Copilot Studio Platform 2026.6.1 Release Notes, Microsoft Learn, 16.06.2026
- Publish your Microsoft Copilot Studio agents to Microsoft 365 Copilot, Microsoft Copilot Blog
- Copilot Studio Run-Only Agent Sharing Previews August 2026, Windows Forum, 07/2026. Sekundärquelle zu Preview- und GA-Terminen des run-only sharing, nicht auf Microsoft Learn verifiziert.