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Die Inventur macht jetzt ein Agent. Die Entscheidung nicht.

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Eine Rohrpostanlage aus Messing füllt ein Holzfach mit sortierten Kapseln, daneben quillt ein Drahtkorb mit ungeöffneten Kapseln über und der Stuhl davor steht leer.KI-generiert
Automate governance with Agentic Center of EnablementMicrosoft Learn

Seit Juli 2026 läuft in deinem Tenant möglicherweise ein Agent, der deine Governance beurteilt. Bestellt hast du ihn nicht. Der Agentic Center of Enablement ist ein managed platform feature und wird für Power-Platform-Administratoren automatisch aktiviert, sobald es im Tenant mindestens eine managed environment gibt. Kein Rollout, kein Schalter, keine Projektphase.

Drei Agenten, ein Freigabeschritt

Der Agentic CoE bringt drei Agenten in das Power Platform admin center, die zusammenarbeiten.

Der Highlights agent liefert täglich einen automatischen Schnappschuss der Tenant-Aktivität, ohne Konfiguration, und zeigt unter anderem neu angelegte Ressourcen und Kapazitätsverbrauch.

Der Insights agent scannt den Tenant fortlaufend auf Probleme in Security, Compliance, Performance und Adoption. Die Beispiele, die Microsoft selbst nennt, sind die richtigen: Ressourcen ohne Owner und Aktivität in der Default-Umgebung. Er priorisiert die Funde nach Wirkung.

Der Action Plan agent macht aus diesen Funden vollständige Maßnahmenpläne, die du vor der Ausführung prüfst und genehmigst. Jede Agentenaktion landet in einem Audit-Trail auf der Activity-Seite.

Der Freigabeschritt ist der wichtigste Teil dieser Beschreibung. Vorschlagen ja, ausführen erst nach deiner Zustimmung. Das ist die Trennlinie, die du im Blick behalten solltest, falls sie sich in einer späteren Welle verschiebt.

Automatisch aktiviert ist die eigentliche Nachricht

Das Feature steht seit Juli 2026 in der public preview, ein GA-Termin ist im Release-Plan nicht gesetzt. Der Auslöser ist eine einzige managed environment im Tenant, und managed environments hast du entweder bewusst eingeführt oder du bist hineingerutscht, etwa über Pipelines: Bei Deployment-Pipelines müssen alle beteiligten Umgebungen außer Developer-Umgebungen und dem Pipeline-Host managed sein.

Für deine Planung heißt das zweierlei. Erstens ist die Frage nicht, ob du den Agentic CoE einführst, sondern wer bei euch die Actions-Seite liest. Zweitens ist eine preview ohne GA-Termin nichts, worauf du einen Prozess aufbaust, aber auch nichts, was du ignorieren kannst, weil es bereits läuft.

Die Inventur war der einfache Teil

In meiner Depesche zur Inventur vor Governance war die These, dass Governance ohne Inventar Theater ist. Der Teil ist inzwischen weitgehend erledigt. Das Power Platform inventory ist seit März 2026 generally available und gibt Tenant-Administratoren eine einheitliche Sicht auf cloud flows, Copilot Studio agent flows und Workflows agent workflows über alle Umgebungen hinweg. Connectors, Aktionen und Nutzungsdaten sind angekündigt.

Damit verschiebt sich der Engpass. Die Frage ist nicht mehr, was in deinem Tenant existiert. Die Frage ist, wer die Liste liest und wer die Konsequenz unterschreibt.

Wo die Kostensteuerung Löcher hat

Auf der Geldseite ist mehr da, als die meisten nutzen, und weniger, als der Name verspricht. Unter Licensing, Copilot Studio, Manage Agents siehst du alle Agenten im Tenant, den Verbrauch seit Monatsbeginn und die konfigurierten Limits, und du kannst pro Agent ein monatliches Copilot-Credit-Limit setzen, mit Benachrichtigung bei Annäherung und Stopp bei Erreichen.

Drei Details dazu, die du kennen solltest, bevor du das für eine Kostenbremse hältst.

Agent-Limits summieren sich nicht zu einem Umgebungslimit. Wer den aggregierten Deckel braucht, arbeitet über die Billing Policy. Das steht nicht in der Produktdokumentation, sondern in einem Blog des Microsoft-Teams hinter Copilot Studio, ich konnte es auf Learn nicht in dieser Form bestätigen.

Die eingebauten Benachrichtigungen gehen an Tenant- und Umgebungsadministratoren, nicht zwingend an den Owner des Agenten. Wer den Agenten gebaut hat, erfährt vom Limit also nicht automatisch. Leg fest, wer die Meldung liest und wer den Owner anruft.

Die Durchsetzung greift spät. Erreicht ein Tenant 125 Prozent der prepaid capacity, werden custom agents deaktiviert. Laufende Konversationen brechen nicht ab, jeder weitere Aufruf wird abgelehnt. Das ist eine Notbremse und kein Budget.

Dazu kommt ein Stichtag: Developer- und Trial-Umgebungen wechseln zum 1. September 2026 in die usage-based billing. Wenn bei euch Prototypen in Developer-Umgebungen liegen, ist das der Tag, an dem aus einem Experiment eine Rechnungsposition wird.

Ein Datum, das dir sonst durchrutscht

Zum 1. November 2026 werden die seeded AI Builder credits entfernt, für alle Neu- und Bestandskunden, auch mit Enterprise Agreement. Eine automatische Umwandlung in Copilot Credits gibt es nicht. Bis dahin gilt ein dual-mode Modell, in dem Umgebungen zuerst AI-Builder-Credits verbrauchen und danach Copilot Credits.

Lies den Satz noch einmal mit deiner Landschaft im Kopf: Jede AI-Builder-Nutzung, die heute unauffällig aus geseedeten Credits läuft, fällt an diesem Tag auf Copilot Credits zurück oder auf nichts.

Was ich nicht beurteilen kann

Ob die drei Guardian Agents selbst Credits verbrauchen, habe ich nicht belegt gefunden. Microsoft beschreibt sie als managed platform feature, was für "im Preis enthalten" spricht, ausgeschrieben steht es nicht.

Und ich kann nicht beurteilen, ob der Freigabeschritt vor der Ausführung dauerhaft bleibt. Er ist in der aktuellen Beschreibung eindeutig, aber Release-Pläne beschreiben Absichten und keine Zusagen.

Meine Empfehlung

Behandle den Agentic CoE wie einen neuen Kollegen mit Leserechten auf alles: Er braucht einen Vorgesetzten. Konkret heißt das eine Person mit Namen, die die Actions-Seite in einem festen Rhythmus liest, und eine Liste der Fundtypen, bei denen ihr einem Plan überhaupt zustimmen würdet. Wenn diese Liste leer bleibt, ist das eine gültige Antwort und besser als eine Freigabe aus Verlegenheit.

Danach drei Zeilen in eurem Betriebshandbuch. Wer bekommt die Limit-Benachrichtigungen und wer informiert den Owner. Wer darf ein Limit erhöhen. Und wo steht der aggregierte Deckel, falls ihr einen braucht.

Zwei Termine im Kalender: der 1. September für die Developer-Umgebungen und der 1. November für die AI-Builder-Credits.

Ich halte die Richtung für richtig. Governance-Arbeit, die niemand macht, kann eine Maschine übernehmen, und die Priorisierung nach Wirkung ist genau der Teil, an dem Inventarlisten sonst scheitern. Mein Vorbehalt: Ein System, das dir täglich Vorschläge macht, erzeugt Zustimmungsroutine. Der Audit-Trail zeigt hinterher, wer genehmigt hat, nicht, wer gelesen hat.


Quellen

Power Platform · Governance & Compliance